random


So viele spinnen eitel fort
den Glauben, diese Erde
sei gut geplant und genau dort,
wo Gottes Wunsch wahr werde

Doch Weise ahnen lange schon,
die eigentliche Macht
ist Würfelspiel – und Illusion
nährt den, der das belacht

Gefressen hatt ich auch von ihr,
von Illusion und Traum
Doch „Gottes Plan“ entlockt nun mir
ein müdes Lächeln kaum

Gezweifelt dennoch, an dem Wort,
das du mir anvertraut
Warum im All der schönste Ort 
soll ohne Grund gebaut? 

Die Sicherheit des Zufalls lässt
den Zweifel mich entführn
Ich trag ihn fort und halt ihn fest –
nie soll mein Herz er rührn

Denn ohne Zweifel weiß es klar:
Paarn Zufall sich und Zeit,
wird jede Wirklichkeit mal wahr
in Regelmäßigkeit

2016


Schöne Traurigkeit

Leise war’s und mystisch fast,
Nebel neben Fluss und Feld
Als ein Dorf zum Tag erwacht
Außerhalb von unsrer Welt.

Schien ein Tag zu schwach zum Leben
Schon im Keime sanft erstickt
Von der trägen Zähheit eben,
Der er stumm ins Auge blickt.

Zart besingen Kirchenglocken
Einen Trauergang
Sieht man schon die Eiszeitflocken
Schaurig schön ihr Mitgesang.

Bedeckt gedenken schwarze Frauen
Ihrer guten Schwester die
Gestern noch den Weg, den grauen –
Angekommen war sie nie.

Durch die Gassen ohne Raunen,
Kurz vor Weihnacht war die Zeit,
Tragen sie den Sarg und staunen
Oh du schöne Traurigkeit.

2014


Harry W. (veritas)
Harvard University, Harry Widener Memorial Library

Der Raum, in den du mich geführt,
an deinem Ort der Wahrheit
hat ein Gefühl in mir gerührt
von ungeahnter Klarheit.

Ich spürte Kraft und Tatendrang,
die Luft schwanger vor Stolz
Das Streben nach dem Wahren dann
in Blumen, Marmor, Holz.

Dort wo die Mutter voller Leid,
die ihren Sohn verloren,
in Ehrfurcht, Liebe, Lebenszeit
ein Denkmal ihm geboren.

Und ich verstand vor Demut stumm,
wie schrecklich klein man ist,
wie blind und lahm und taub und dumm
du als ein Mensch doch bist.

Als ich so stand und sah sein Bild
und wusste um sein Leben,
da spürte ich, mein Herz schlug wild,
wofür er es gegeben.

Der Wunsch nach etwas Größerem,
ein Schritt, ein Unterschied,
ist es - seither ist es mir klar -
was stetig in dir glüht.

Die Aura dieses Raumes lässt
erahnen das Gewicht,
das Bildung, Wissen, Weisheit fest
in unser Leben spricht.

So wünsch ich dir an jedem Tag
all dieses werde wahr.
Und dass dein Staunen für die Wahrheit
nie werde unsichtbar.

                                                                2013


Denn einsam redet laut

Betörend welche Eleganz
und Unermüdlichkeit
den, der allein kommt
stetig ziert -
Kein Gegner ihm die Zeit.

Doch trotz des makellosen Haars
der ehrbar heilen Haut,
wird wer allein kommt
kritisiert -
Denn einsam redet laut.

Nichts Gutes lassen sie an ihm,
die Stimmen ohne Mund.
Denn wer allein ist,
viel verliert -
Missgönnertum der Grund.

2015


Die Sicherheit abgeschlossener Räume

Wenn man die Tür zu macht
und den Schlüssel dreht.
Die Welt ausschaltet.
Niemand, der sagt wann die Nacht
vorbei der Schalter wieder an die
Tür wieder auf geht.

Mit welch stillender Sicherheit ist der Raum
gefüllt!

Und wenn ich will, dann bleibe ich 
für immer hier.

2007


und keiner übrig wär’

Lieg ich wie heut und jede Nacht,
da kommt ein Etwas zu mir sacht
unter die Decke still,
obwohl ich’s gar nicht will
   Und mich versuch zu wehren.

Dies Etwas ist die Einsamkeit
wär’ ich am Tag auch nie bereit,
mir diese zu gestehn,
kann ich sie nachts nicht übersehn,
   Es ist mir gar unmöglich.

Bin nicht von trauriger Natur,
noch krank und schwach, so glaubt mir nur!
Such nur so sehr
den einen, der… -
   Welch Sehnsucht, welche Tränen.

Denn bin ich tags noch unbeschwert,
so ist es nachts grad umgekehrt,
als ob ein jeder dieser Leut’
nachts meine Nähe scheut
   Und keiner übrig wär’.

2008


à l'espoir

Den Kopf aus dem Fenster in die kalte Nacht stecken.
Mit offenen Augen den Sternenhimmel sehen
und wissen.

Dass Morgen neu ist.

2005


Die Nacht

Schwarz und doch strahlend:
der Himmel der Nacht
hat tausende Sterne
stolz mit sich gebracht.

Goldleuchtend und hell
so unsterblich schön
ist das Funkeln des Mondes
über mir in den Höh’n.

Der Wind bringt die Luft
von dort oben hier her,
zu mir, wo ich stehe
und wünsch‘ mir so sehr,

jede Nacht das zu sehen,
was ich heute Nacht sah:
die Sterne so strahlend,
den Himmel so klar.

 


auch wenn.

           eigentlich
ist mein kopf zu klein,
tausend träume zu träumen
und meine augen viel zu schwach,
um tränen der freude zu weinen.

          eigentlich
sind meine beine zu kurz,
durch alle welt zu gehn,
und jede dieser bunten blumen
einzeln anzusehn.

          eigentlich
ist es viel zu riskant,
ohne flügel versuchen zu schweben
und eigentlich macht es auch gar keinen sinn,
alles für nichts zu geben.

          doch wenn das stimmt -
warum mein Herz
wie schon so oft geschehn,
sagt: tu's mein Kind,
und denk nicht nach.
tu all die dinge trotzdem.

2006


paradoxon

Zeige Stärke
Den ganzen Abend
Obwohl ich bemerke -
Es ist unser letzter.

Spreche klar
Ganz ohne Zittern
Von allem was war,
Ohne zu wissen, was kommt.

Bin in Zuversicht,
Denn ich komme wieder.
So lange ist es ja nicht,
Hab ich Recht?

Hab den Mut,
Jetzt zu gehen.
Weil doch jeder tut,
Was er muss .

 

 ist das nicht komisch? als du mich umarmst, bin ich machtlos gegen alle Tränen.           2007                                        


It's a risk to live.
What, if it doesn't work out?
Ah, but what if it does.

(nach Peter McWilliams)

 


Tu was du willst

(für mich)

Tu nicht was du nicht willst.
Das ist das Wichtigste dabei.

Verbieg dich nie für jemanden
dass du dich selbst nicht mehr erkennst.
Pass auf.
Sag niemals Ja, wenn du weißt
für Freiheit und Gerechtigkeit
müsstest du Nein sagen.

Tu Gutes.
Tu nicht nichts Gutes.
Das ist das Wichtigste dabei.

2008

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